Sammlung

Gedichte

Wandelnde Worte in der Werkstatt meines Kopfes.
Manchmal ändert sich ein Ton, andermal die Melodie
– und manchmal entsteht ein neues Arrangement.

Gin Tonika

Spannkraft gelöst im berauschenden Geriesel
Bunte Blumen tanzen auf der Wiese

Gurkenscheiben auf den Lidern
Kohlensäure flüstert laute Lieder

Die Eiswürfel sind gefallen
Schmelzend finde ich daran gefallen

Ich verdunste im Nebel
Wir werden Wind

Moschus

Der Schatten des Duftbaumes
warm und weich
wohlig wälzend
wehre ich mich
womöglich

Bezaubernde Blätter
verblassen im Wetter

Doch der Abdruck
des Duftes bleibt

Teezeremonie

Sitzen unter Kirschblüten
Sakura trägt keine Früchte

Die Tasse ist heiß
metallisch

Lasse mir die Hitze
nicht anmerken

Kon
zentriert
drehe ich den Griff
zu dir.

Einbruch

Schleiche leuchtend im Dunkeln
Dabei muss ich doch still sein

Mein Magen knurrt
schreckt alle auf

Blende Bewohner im Haus
Dabei sind alle Lichter aus

Suche Snacks
sehe
ohne Augen nichts

Griff zum Kühlschrank
weckt den Feuermelder

Wieso wird mir warm,
wenn es nirgends brennt?

Drogerie

7-Prozentige Lösung
Fluch oder Erlösung?

Reden über
Lebens
mittel

Sehn-sucht
Such-ende.

Facebook

Mein Gesicht spricht Französisch
während die Übersetzung läuft.

Limbischer
Systemfehler:
Mein Interface überhitzt.

Meine exekutiven Funktionen
funktionieren nicht.

Buchstabensuppe

Zu viele Buchstaben
schwappten aus meiner Suppe.
Jetzt fließen sie nach Paris.

Verbrannt.

Wie konnte ich sie nur auskippen
wusste ich doch,
dass sie abgelaufen ist.

Doch habe ich Bauchschmerzen
ignoriert.

Wieso vertraue ich darauf,
dass der Löffel im Dunkeln
in meinem Mund landet?

Hätte ich das Zittern nur eingerenkt.

Warum kaufe ich
immer diese Brühe?
Es war wohl nur die Packung neu.

Dabei hatte ich die Buchstabensuppe doch gelesen.

Zum Glück war es nur die Suppe
und nicht die Hauptspeise.

Meta-morphose

Friedensbringender König der Lüfte
zerschneidet Wörter mit dem Stifte

Auf den ersten Blick es seltsam klingt
Doch sieht man hin, der Vogel singt

Da rutscht die Dame vor zum Turm
Der Springer, fliegt zum Seitensturm

Es spielt in Böhmen ein Traum
Der König betritt den Raum

In Scharlachrot fließt frisches Blut-
Buchen verlieren ihr Blättergut

Doch steckt im Blätterhaufen
Der Schuh, verloren beim Laufen

Folgt man der halben Spur
Die Lösung: in den Augen nur.

Fliehkraft

Es fährt die Seele Achterbahn
Eintritt wollt ich nicht bezahln
Zeit wertvoll, nicht verschwendet
Wann die Fahrt wohl endet?

Vom auf und ab der Magen dreht
Von links und rechts die Böe weht
Wagen hält.
Aussteigen? Zu spät

Erst Stocken, Zittern, Brechen
Mitfahrt nicht versprechen
In der zweiten Runde Spaß
Die Übelkeit, ich ganz vergaß

Kreise drehen ohne Ende
Ein ewig langes Wochenende
Nerven kitzeln mein Gemüt
Bunte Zuckerwatte, Fahrt versüßt

Irgendwann kommt die Gewöhnung
Seele im Körper, kurze Versöhnung
Muss nicht eilen, sitz im Wagen
Kann mich wahrlich nicht beklagen

Bufweh

Buffet in den Wolken
gefiederte Früchte

Kunst-
Stoff Weintrauben
kleben an
künstlichem Käse
durchfressen
von Löchern

Kühlschrank ist voll
kommen leer

Beiße in den falschen Hasen?

Rasensprenkler
streuen Schokostreusel
wie Asche

Der Tisch
wackelt:
Pudding

Alles verläuft im Sand-
kuchen

Mitten im Apfel-
strudel
suche ich
den Maulwurf-
hügel
doch stoße auf
Bienen-
stich

Blick auf die Uhr:
Knall.
Erbsen fliegen
mir um die Schweinsohren

Es hagelt
Zucker
Watte

Fassbrause
läuft über

Nimm mich in die
Arme
Ritter, haltbare Sahne
Haube hält nicht
den Zerfall auf

Einbildung?

Zimt
Schnecken kriechen
an der Decke

Schweiß
gebadet
wache ich auf
doch drehe mich
im Schlaf-
rock

Tote Oma
winkt mir

Kalter Hund
bellt

Auf dem Papierteller blutet
ein Tintenfischring
den ich noch nicht
annehme

Warmes Brot reißt
wenn man es mit einem
beidseitigen Messer schneidet

Ich führe Tischgespräche
beim Schlafwandeln.

Wesentlich

Wesen formen Sympathie
Wesen und Form
unterschiedlich
untrennbar

Mitgefühl
erleben
Mit Gefühl
begegnen

Wertschätzung
ohne Wert Schätzung
wertvoll

Atomkraft

Birne glüht
Energie geladen
Leuchten findet kein Ende

Die Welt strahlt
Tausend Watt
Goldene Watte

Sende Boten-
Stoffe reduzieren

Halbwertszeit
zu lang

Positive
Elektrizität

Contemplation

Je contemple un vernissage
de ton visage

Je veux créer
avec un pot de peinture
débordant
une toile inondée

farblehre

violette zitrone
kirschroter smaragd
königsblauer kürbis

subtraktiv
additiv

komplementär
maximal leuchtend

gegensätzlich
gemischt neutral

ton in ton
monoton
oder harmonie?

Window Whispering

Chirp chirp chirp
not an alarm

A bird.
Stay rested, lie calm

Chloris chloris
Mother Nature means no harm

Still drunk from lullaby
Enjoying the beauty of his song

Morning muse
awaits me
amuses me
wakes me

Wish I could press snooze.

Sprengkraft

Gedanken über Zeug
über-
zeugt

Überzeugung gesprengt

Trümmer
verwandelt
in Konfetti

Mittelmehr

Glänzende Grashalme spielen Limbo
zum Klirren des Windspiels

Das grüne Meer schlägt Wellen
Bunte Fische kommen an die Oberfläche

Wehen, Rascheln, Zwitschern
Ich schwimme in Schallwellen

Eine Prise Duftwasser:
Ein Kuss der Küste
begleitet die Brise

Eine Böe
belebt mich
unsichtbar doch spürbar

Das Feuer am Himmel erwärmt meine Zellen

Elementar.

Infinite Regression

Rolling stones up a hill
Rolling stones against my will

Seems different, yet it is
the one and only
stone

Life goes on, does not stand still
I roll the stone within my will

So I am free because I chose
the prison of life before I lose
my pride.

The gods are laughing at the state
of humans, slaves to ego's fate.
The freedom that we celebrate
is just a cell we decorate.

Zyklus

Heute bin ich Nihilist
Hormone spielen mir die List

Nicht mal das Absurde
ein gelungener Witz

Wäre ich frei
wäre ich wohl Idealist

Ohne Körper
keine Wolken im Weg

Ist das Deleuzung?

Eine Flottierung löst sich,
denkt, sie wäre frei.
Doch sie merkt ihre Unfreiheit erst,
wenn sie sich fortbewegen will – ohne Halt.

Am Saum, da raunen die Fransen:
Im Schwingen allein liegt das Heil.
Kein Muster sein – nur Bewegung.
Frei. Sein.

Die Bindung starrt sie an:
Nur im Rapport bist du ein Teil des Ganzen.
Struktur schafft Verbindung.

Franse und Bindung
wähnen sich im Recht.
Beide verachten die Enge und knüpfen doch
neue Netze, in denen sie sich verzanken.

Doch eins bleibt gleich:
Ob Schlaufe, Faden oder Franse –
sie sind aus derselben Wolle gedreht.

Teil desselben Schals,
der Chaos und Ordnung in sich trägt
und bleibt, bis er zerfällt.

Ent-setzt

Meine was ich sage
meine Meinung
gesagt.

Gedanken gezeugt
doch im Wandel
gewachsen.

Meinung
gebildet
gefragt
geändert.

Wortgefechte

Wenn Worte Waffen werden
suche ich nach dem Lexikon

Übersetzung fehlgeschlagen
Trotz gleicher Vokabeln

Schlüssel zur Seele
Zugang zu höheren Ebenen

Formeln mehrmals umformuliert
Eigene Sprache beinah kastriert

Selbst das Differenzieren
der Differenzen
stößt an seine Grenzen

Nicht einmal die Definition
führt zu High Definition

Begriffe begreifen nicht –
greifen nicht.

Werk
zeug
auf Werkseinstellung.

Innere Werte

In dunklen Zeiten nährst du mich.
Auf meiner Suche spendest du Licht.

Du regulierst mein Gemüt
und versüßt mir den Alltag.

Deine Kälte schreckt mich nicht ab,
ich weiß, sie gehört zu dir.

Dein Temperament ist kontrolliert.
Deine Innenwelt unendlich reich.

Mitten in der Nacht
kann ich zu dir.

Du wartest auf mich.
Du empfängst meine Wärme mit offener Tür.

Du hältst dicht,
an dich kann ich mich anlehnen.

Mit dir an meiner Seite
wird jeder Sommer ein Traum.

Mein wunderbarer
Kühlschrank.

Tanzveranstaltungen

Ich tanze auf dem Papier
Ich tanze auf der Tastatur
zur magnetischen Melodie
eines menschlichen Monologs

Die Bewegung erst fließend
und leicht,
schwebend wie Seide im Wind

Doch wird der Takt zu schnell
wankt mein Gleichgewicht

Will keinen Fehltritt wagen
Jeder Schritt raubt Kraft
Ich hinke hinterher

Meine Seele rennt
Mein Körper brennt
Mein Geist –
gelähmt.

Möchte keine Angst vor Bewegung
Möchte keine Krücken zum Laufen
Möchte tanzen, in eigenen Schritten

Als ich mich vom Takt löse
und in meinem Tempo tanze
fließt Freiheit durch meine Finger

Und neigt sich das Lied dem Ende zu
will ich nicht, dass es vorbei ist
Will warten auf die nächste Melodie

Will ewig tanzen
im freien Takt

Wachstumsschmerz

Eine Rose wollte wachsen,
misstraute Mutter Natur.

Stellte alles in Frage,
sogar die Fassade
der Wand, an der sie wuchs.

Blickte auf den Boden,
statt der Sonne zu folgen.

Sucht ihre Wurzeln,
den Grund
nicht ausgesucht.

Durch Drehen der Gedanken
durchwachsen von Dornen.
Ein Piekser. Ein Stich.
Sie regt. sich. nicht.

Beim Betrachten
dämmert es
ihr:
„Dünkt es mir düster,
muss ich zum Licht!“

Dann weht ein Wind
die Wolken fort,
die Rose richtet sich auf.

Schwindet der Schmerz,
erblickt sie benachbarte Blumen
und blüht langsam auf.

Sie will die Wildnis erkunden.
Aus dem Gewächshaus
brechen ihre Knospen aus.

Modus Operandi

Ein Wall aus Wörtern
staut sich
vor meinen Augen auf.

Ich stoppe
meine innere Uhr
und halte
den Atem an.

Ein falscher Tritt,
eine Mine zu viel.

Autopilot
aktiviert.
Blickkontakt
meiden.
Stehe unter Strom,
nicht mitreißen.

Jede Handlung,
jede Regung,
jeden Gedanken,
live analysieren.

Inneres Protokoll
manifestieren.

Sanft bleiben,
nicht diskutieren.

Bleib bei dir,
nicht reformieren.

Nicht abstreiten,
nicht validieren.

Nicht deuten,
nicht dechiffrieren.

Nicht fordern,
nicht existieren.

Erkenne im Gegenüber:
Etwas im Subjekt
objektiv fremd.

Versuche nicht
Geister zu reanimieren.
Was nicht da ist,
kann man nicht verlieren.

Was bringt Logik,
wenn sie die Realität nicht korrigiert?

Modus Ponens
falsch kalkuliert.

Dennoch sucht der Rechner
weiter nach Lösungen.

Auch wenn es
am lebenden Herzen
operiert.

He

Du bringst Leichtigkeit in mein Leben,
durch dich wird meine Stimme hoch.
Du bringst mich zum Schweben,
als wär ich ein Ballon und doch:

In den Lüften betrachte ich dich –
doch mich packt die Schwindelangst.
Vor Freude
platze ich.

Du kühlst mich sanft ab,
wenn ich überhitze.
Doch der Kontakt mit dir
lässt mich erfrieren.

Wie schön wäre es, dich zu atmen –
doch ich weiß, dass es mich umbrächte.

Deine Ordnungszahl ist zwei,
du bist edel und stabil.

Und obwohl dein Name mir Licht bringt,
laufe ich behütet im Schatten.

Oh du, geliebtes Helium.

Echo

Zwischen den Wörtern
Luft zum Atmen

Zu viel
Bedeutung
reingelegt

Höre Echos von Geistern
die nie gelebt

Wahrnehmung wird Witz
ohne Pointe

Kurzschluss

Funken sprühen
Wangen glühen
Wasser ins Gesicht

Peinlich
berührt

Jetzt geht's
ab-
Wendung?

Drehe mich
lachend
im Kreis –
in die
Erde
ein.

Eingefangen

Löse mich
auf-
gefangen
abgefedert

Schließe die Augen
als wär ich unsichtbar

Nicht gesehen
dennoch gespürt

Deckmantel
aufgedeckt
entdeckt
auf-
gehalten

gewogen

geborgen.

Berührpunkt

Vorsichtig antasten
Hand an Hand
Fläche an Fläche

Schwebe
im schützenden Schatten
Wozu atmen,
wenn Luft
geraubt?

Suche Sauerstoff –
Mangel verblassend

Kalte Luft erwärmt sich

Lungenflügel füllen sich
mit Farbe
und flattern fort

Die Sicht verschwimmt
Vor Freude

Doch muss ich nichts sehen
nur fühlen

Seidene Rüstung

In Zeitlupe verschließt du mir
die Fenster
deiner Seele.

Dein samtenes Gewand fängt an zu beben
und es strahlt ein Klang
der sanft abebbt
und sich flutend verstärkt.

Die Wellen holen mich
aus jeglicher Unstimmigkeit zurück
und wiegen mich weich.

Wachsame Ohren verfolgen mich,
obgleich dein Blick weicht.

Begleitest mich an stille Orte,
beschützendes Geleit.

Hinter dir die Spur aus Sand.

Deine Rufe in den Tiefen
ruhiger Nächte hallen.

Der Schlag einer Pfote,
mit eingefahrenen Krallen.

Buckelndes Anschmiegen,
ein Biss ohne Zahn.

Wegzehrung

Ach Düsterstern, ich wander gern
folg mir auf langen Wegen

Wir laufen fern
und kommen ab

Kleiner, kurzer Regen.

Aus Tropfen
eine Pfütze ward

Leblose Vögel fallen
uns entgegen.

Ein kalter Schauer
hält nicht ab –

Nun Gebeine
uns in Strömen
begegnen.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Verwechsel-
wirkung
mit
Authentizität

Nebenwirkung:
Wirke daneben

Zu
spät

Folge:
Soziale
Regeln

Beipackzettel
des Verstandes
verlegt

Krankheit:
Gefühl

Alice im Wundenland

Stell alles voll
und schmück es aus
Dekoration kriecht an die Decke

Der Leerraum keucht
Die Wände zu

Weder Platz für Schall
noch Rauch

Das Licht
sucht
Luft zum Atmen

Kriech durch den Tunnel-
Blick zum Bett

Sandmann will noch warten

Baue weiter, dunkles Nest
Geheimnis nicht verraten

Wirf mich
in die
Vitrine.

Oberflächlich

Teilchen im Tiefen
brechen Gestein

Elemente zerfallen
lassen Wärme frei

Ruhig auf dem Rasen
darunter verborgen:

Aufgestaute Hitze
Spannungen im Stein

Risse im Boden
zitternde Oberfläche

Kochender Kessel
bis zum Klappern des Deckels

Leergut

Die Flasche ist halb voll

Wäre sie leer
wäre es gut

Man könnte
Flaschendrehen
spielen

Aus Einweg
Mehrweg geworden.

Aus der Spur geraten

Denkanstoß
an Leitplanken

Beim Denken
über die Planke
gestoßen

Ab in die Tiefe

Wären die Gedanken
doch nur

Auf der Strecke
geblieben

Standbild

Ich betrachte mich
beim Betrachten
eines Spiegels

Ich sehe was ich tue
doch tue nichts
dagegen

Wirft der Spiegel
das Bild zurück

oder ist es
mein Einwurf?

Die Sicht ist frei von Nebel
doch ich kann mich nicht bewegen.

Freier Fall

Alles fällt
auf den Kopf

gestellt

Kopf im Sand

verlaufen

Ertrunken
auf der Suche

nach einem Anker

Pathos-logisch

An Freud' überdreht

Rosaner Blick

An Glut überhitzt

Seele aus Blei

Herz in der Hose

Magen verdreht

Aus allen Wolken gefallen

Drauf gespuckt

Verstand
das Gefühl
falsch.

Mikro
Expressionen.

Rationalität.

Vor-wurf

Verwerflich?

Verwerf ich
Verwerf mich

ohne Ziel

Ent-täuschung

Gewissenhaft
haftet mein Gewissen
an allem was kommt
an allem was geht

Verschoben
verworren
Realität?

Täusche
ich mich doch
täglich selbst.

Ein Staubkorn
in der Wüste.

Was bleibt übrig
wenn das Sandhaus
zerfällt?

Entrainment

Vorbeigerauscht im Dreivierteltakt
fixiert hinter der Wand aus Glas

Ein Blick erhascht
verloren
im Rauschen des Kollektivs

Bin ich doch Teil davon,
bist du dann Teil von mir,
ich von dir?

Ob du mir – ich…deins?
Die Frage löst sich auf –
Gleichgültigkeit des Seins

Flächen berühren sich
    drehen sich
        werden zu Ebenen
            vermengen sich

Jeder Schritt jagt höher
Macht
   los
füge ich mich der Frequenz
plötzlich eine parallele Achse
die sich dazu dreht – 180 Grad

Alle Ketten fallen von mir ab
als ich mich löse im Sog
im Rausch der Nacht

Aus Hetzjagd
Tanz geworden –

Detrainment

Tanzen im Takt
doch Welt verstummt

Halt –
ich das weiter aus?

Pluralität
Singularität

Eine Gleichung
die nicht aufgeht

Metamorphose
Anamorphose

Trotz Drehen und Wenden
keine Kongruenz

Verfremdet von Fremden.

Okular

Mein Mikroskop hat zwei Okulare
glücklicherweise kann ich
schon mit einem Auge
sehen

Nur fehlt dann
die Tiefe

Was nützt räumliches Sehen
wenn man den Raum nicht teilt?

Es fehlt
der Spiegel
zum
Sezieren der Seele

Blockade

Erleuchtet
vom Starren des Monitors
werde ich
starr.

Nun soll ich schreiben
was ich weiß –
was weiß ich?
Vorlage: weiß.

Eine blinkende Vertikale
weist mir den Weg,
doch bleibt er
versperrt.

Eiserne Jungfrau
klemmt sich
um den Kopf

Atmen.

Ich bin frei
von Ideen
doch die Fesseln
der Verpflichtung
peitschen mich
an den PC.

Sehne ich die Rettung
eines Trojaners herbei.

Rückkopplung

Versetzt –
ein Zustand
der Erinnerung.

Verblassende Bilder
verschwimmen.

Knie an die Brust
geklappt
halte ich
inne.

Das Echo des Pulses
d r ö h n t
in der Stille.

Langsam fließt sie
die Wange hinab
niemand
fängt sie
auf.

Medusa

Beklommenheit
umarmt den Leib.

Stillstand –

der Atmung.

Ein Korsett
schnürt sich
um die
Kehle

Verwandelt –

In
e i n e
S T A T U E

Barrieren

Anwesende Ansammlungen an Atomen
wir zentrifugieren uns zelebrierend
zum
Analysieren der Annalen.

Wir werfen mit Wörtern
ein Netz
doch fängt sich keiner ein

Kleber –
S c h e r e
geworden.

Nun sind Wir

allein.

Vakuum

Ich schwebe
auf der Fläche
dieser Erde

Bewege mich
f o r t
l a u f e n d
auf der Stelle –

Andere Leben
kommen mir entgegen,
doch sehne ich mich nach
denen

die ohne Vokabeln

k o m m u n i z i e r e n

Brennwert

Spiele mit dem Feuer
welches selbst entfacht
einen Widerstand –
der zwecklos ist.

Die Wärme, die ersehnt:
Quelle der Verbrennung.
Dennoch essenziell.

Das Licht, das führt:
Zu viel – Verblendung.
Dennoch essenziell.

Die Luft, die belebt:
Erstickt oder erhellt.
Dennoch essenziell.

Der Ofen ist aus
Holz gemacht

Egal


Der Wind zieht

an meinem Gesicht

vorbei.

Atmen.

Spannung

Geladen und in Anschlag gebracht
hielt er mich
aus.

Der Atem im Nacken legt sich
wie ein sanfter Nebel
um meine Gedanken.

Da schoss der Pfeil
in die Grenze des Waldes.

Und man sah ihn
(n)immermehr.

Moral

Was mich bindet
spaltet mich
und reißt mich
ent-zwei.

Gebunden.
Gespalten.
Gerissen.
Ent-zweit.

Pirouette

Ich nähere mich –
während ich mich entferne.

Blicke
nicht durch
dich hindurch

Werfe das Kaleidoskop
in die Ferne

Und drehe mich selbst
bis das Bild steht.

Ent-bindung

Lange
reifte die Essenz des Lebens.
Welch süße Frucht
abgeschnitten
von mir
durch eigene Hand.

Erwacht
aus dem
Koma –

Ein neuer Mensch
herangewachsen.

Fixierung

Der Blick fixierte mich,
durchbohrte mich
und schlug mich
mit einem Nagel
an die Wand.

Es pochte der Hammer,
den ich Herz nenne.
Da hing ich –
gerahmt
und starr.

Die Lautstärke meiner Sprachlosigkeit –
ohrenbetäubend
lähmte sie mich.

Resonanz

Die Hülle blieb zurück,
ich aber floh
an einen unbekannten Ort.

In Eiseskälte
wohl
gesonnen
taut das Lächeln wieder auf.

Die Wärme beschert mir Luft
– mit jedem Zug
komme ich an.

Umhüllt von Schutz, merke ich:

Falscher Alarm.

Muse

Wenn die Sterne aus dem Schatten scheinen,
jagt mich die Muse der Nacht.

Der Leuchtturm der Gedanken
blendet mich
rhythmisch
und hält mich
wach.

Spieglein und Spiegel

Spieglein, Spieglein an der Wand,
Schön‘ Gerede geht leicht von der Hand.
Du spiegelst mich als wär ich blind,
Bis ich den Trick dahinter find‘.

Die Zeitverzögerung – kalkuliert,
Hat deine Maske dechiffriert.
Drum leg ich meine Hand an deine,
Und siehe da – ich bin alleine.

Versteh’ nun endlich die Dynamik,
Umgeb’ mich lieber mit Keramik.
Nicht alles, was glänzt, ist Gold.
Sei es Blei, Kupfer oder Zinn –
Mancher Trug ist ungewollt.

Ein anderer Spiegel – wohlgesinnt,
Hilft, dass ich mich wiederfind‘.
So irrt man im Kabinett des Lebens
Und sucht Wahres nicht vergebens.

Augenblick

Wo einst die weichen Augen auf mir lagen,
entzog sich hastig: ein halber Blick.

Wo einst der Raum sich füllte
mit der Wärme des Gelächters,
ruht nun die Stille des Augenblicks.

Einst glühten die Wangen wie heiße Kohlen –
nun sind sie kalt
im Schatten der Zeit.

Unkraut

Liegend sitz ich aus, diese bloße Leere,
Ein unsichtbares Band, eine große Ehre.
Doch nährt es nicht: ich wehre mich.
Gedanken – sie vermehren sich.

Es strömt der Duft der Abendglut.

Die Sehnsucht nach Geborgenheit
Wächst wie Unkraut und gedeiht.

Hummel

Es ward ein Tier, noch nie gesehn,
Der Forscher trachtet’s zu verstehn.
Versteckt ruht es im Gebüsche,
Nicht im Wasser – keine Trüsche.

Trägt Streifen, sieht gefährlich aus,
Ist jedoch harmlos wie die Maus.
Mag Blümlein, schwirrt und schwindet –
Es ist die Hummel, die sich windet.

„Komm, Hummel, leg dich nun zur Ruh,
Mach deine kleinen Äuglein zu.“
– Doch will die Hummel lieber stechen
Und schönen Blümlein Herzen brechen.

Gefährlich will die Hummel sein,
Rast immer weiter, ungemein.
Doch trifft sie auf die Herzensdame,
Wird sie sanft – wer konnt’ es ahnen?

Papillon

36 degrés, l'air est chaud et étouffant.
J’attends en écoutant attentivement.
Mais rien. Pas de 145 bpm dans le couloir.
Seulement un grand Papillon noir.

Quelle étrange histoire…

Chat Noir

Silencieux, observateur, attentif,
Comme un célèbre détective.
Se faufile dans la nuit,
S’enfuit d’ennui.
Insomnie.
Poésie.
Écrit.
Ici.

Leiblichkeit

Die Last fällt ab, als ich mich zur Ruhe lege,
Wolken aus Daunen umhüllen mich weich.
Erst ganz entspannt, doch dann werd ich rege –
Da! Ein Stück Stoff meinem Leibe nicht gleicht.

Es klemmt unter dem Fuße und bildet Falten,
Ich spür jeden Knitter, es bilden sich Klumpen.
Versuch ich zu schlafen und milde zu walten:
Die Wolke – verwandelt zum grausigen Lumpen.

Unbehagen in Kissen, Decke und Matratze,
Spüre ich Alles: Bewegung, Zwacken, Kratzen.
Als wär das nicht genug, kommt noch der Leib hinzu,
Fühle die Zehen zappeln, mach die Augen zu.

Greife an meine Beine, spüre Muskeln und Knochen,
Empfinde nun Alles einfach ununterbrochen.
Schon skurril so ein Gerüst aus Atomen,
Welches produziert solche wilden Symptome.

Letztendlich bemerke ich mein Hinterfragen,
Die Rastlosigkeit – kann sie kaum noch ertragen.
Als ich denke über die Reize und Gedanken:
Keine Lust mich mit meinem Leib zu zanken.

So atme ich tief, lass die Sinne nun ziehen,
Versuch nicht länger, dem Fühlen zu fliehen.
In der Stille der Nacht, so laut sie auch scheint,
Sind Welt und Ich in den Träumen vereint.

Dipolmoment

Verändert sich Temperatur,
Steigt ebenfalls die Energie.
Nähe schafft dieselbe Spur,
Unwahrscheinlich – trotz Chemie.

Was selten ist, das will man gern;
Doch wer kennt die Statistik?
Atome nah und doch so fern,
Flüssig zu Gas ist die Logistik.

Ein Edelgas bildet Kristalle.
Es glänzt und spiegelt dir ein Licht.
Der induzierte Tanz für alle:
Stabil bei Kälte – der Spiegel bricht.

Gewässer

Ein Zug – und sanfte Wellen mich umschlingen.
Heb den Kopf, muss nicht nach Atem ringen.
Blick nach oben: der Himmel hell und klar.
Blick nach vorne: eine große Welle naht.

Soll von der Woge ich lieber fliehen?
Oder mit ihr in das Ungewisse ziehen?

Die Zeit zu knapp: Ich lass mich treiben,
Soll doch die Welle nun entscheiden.
Rhythmisch fügt sich meine erstarrte Gestalt,
Kein Boden unter den Füßen, verliert sie den Halt.

Die Welle muss es wohl gut mit mir meinen,
Versucht sie unsere Bewegungen zu vereinen.
Der Abschied führt zu ruhigem Gewässer.
Lieg still auf der Fläche, mein Gemüt nun besser.

Doch plötzlich ein Reißen aus dunkler Tiefe:
Die Strömung. Mein Schwinden: eine Hieroglyphe.

Heldensage ohne Worte

Nie gesagt, nie gesehen.
Dennoch kannst du mich verstehen.

Ich spüre zart die Fäden ziehen –
Mund stumm, doch die Augen schrien.

Affekte durch den Seismographen,
Gedächtnis gleicht dem Photographen.

Hochgezogen ganz behutsam,
Nimmt Angst und facht den Mut an.

Es fehlen mir noch immer Worte,
Doch find‘ ich sie am inneren Orte.

Umleitung

Er bahnt sich an, ich stell die Gleise,
möcht’ nun zügig von ihm weichen.

Geplant war viel, es gibt Verspätung
eines Termins, einer Vermählung
der Züge, die in gleicher Richtung,
der Sonne und der seichten Lichtung,
fahren und sich bald vereinen.

Übertragung

Einst wollt ein Bild ich schicken,
Per Wifi oder Bluetooth senden.
Empfang ließ sich nicht blicken,
Datenvolumen nicht verschwenden.

Akkulaufzeit nimmt keinen Schaden,
Denn die Batterie ist neu geladen.
Die Übertragung hat funktioniert,
Nun werden neue Bilder zelebriert.

Schöne Bluse

Da lag sie nun, die schöne Bluse,
Beschmutzt von Gras und Wein.
Stoff noch ganz, nicht eine Fluse,
Die Farbe weder klar noch rein.

Hob ich sie auf, fiel sie mir runter,
Jetzt ist sie auch noch voller Falten.

Ab in die Wäsche, meine Liebe,
Auf dass du strahlst wie neu.
Peroxid und Natron, reine Triebe –
Das Waschen hat mich sehr gefreut.