Sammlung

Gedichte

Randnotizen gesammelt zwischen Tagen, Dingen und Gedanken.
Hier finden neue Zeilen ihren Platz, sobald sie meinem Kopf entfliehen.

Leiblichkeit

Die Last fällt ab, als ich mich zur Ruhe lege,
Wolken aus Daunen umhüllen mich weich.
Erst ganz entspannt, doch dann werd ich rege -
Da! Ein Stück Stoff meinem Leibe nicht gleicht.

Es klemmt unter dem Fuße und bildet Falten,
Ich spür jeden Knitter, es bilden sich Klumpen.
Versuch ich zu schlafen und milde zu walten:
Die Wolke - verwandelt zum grausigen Lumpen.

Unbehagen in Kissen, Decke und Matratze,
Spüre ich Alles: Bewegung, Zwacken, Kratzen.
Als wär das nicht genug, kommt noch der Leib hinzu,
Fühle die Zehen zappeln, mach die Augen zu.

Greife an meine Beine, spüre Muskeln und Knochen,
Empfinde nun Alles einfach ununterbrochen.
Schon skurril so ein Gerüst aus Atomen,
Welches produziert solche wilden Symptome.

Letztendlich bemerke ich mein Hinterfragen,
Die Rastlosigkeit - kann sie kaum noch ertragen.
Als ich denke über die Reize und Gedanken:
Keine Lust mich mit meinem Leib zu zanken.

So atme ich tief, lass die Sinne nun ziehen,
Versuch nicht länger, dem Fühlen zu fliehen.
In der Stille der Nacht, so laut sie auch scheint,
Sind Welt und Ich in den Träumen vereint.

Gewässer

Ein Zug - und sanfte Wellen mich umschlingen.
Heb den Kopf, muss nicht nach Atem ringen.
Blick nach oben: der Himmel hell und klar.
Blick nach vorne: eine große Welle naht.

Soll von der Woge ich lieber fliehen?
Oder mit ihr in das Ungewisse ziehen?

Die Zeit zu knapp: Ich lass mich treiben,
Soll doch die Welle nun entscheiden.
Rhythmisch fügt sich meine erstarrte Gestalt,
Kein Boden unter den Füßen, verliert sie den Halt.

Die Welle muss es wohl gut mit mir meinen,
Versucht sie unsere Bewegungen zu vereinen.
Der Abschied führt zu ruhigem Gewässer.
Lieg still auf der Fläche, mein Gemüt nun besser.

Doch plötzlich ein Reißen aus dunkler Tiefe:
Die Strömung. Mein Schwinden: eine Hieroglyphe.

Dipolmoment

Verändert sich Temperatur,
Steigt ebenfalls die Energie.
Nähe schafft dieselbe Spur,
Unwahrscheinlich - trotz Chemie.

Was selten ist, das will man gern;
Doch wer kennt die Statistik?
Atome nah und doch so fern,
Flüssig zu Gas ist die Logistik.

Ein Edelgas bildet Kristalle.
Es glänzt und spiegelt dir ein Licht.
Der induzierte Tanz für alle:
Stabil bei Kälte - der Spiegel bricht.

Hummel

Es ward ein Tier, noch nie gesehn,
Der Forscher trachtet’s zu verstehn.
Versteckt ruht es im Gebüsche,
Nicht im Wasser - keine Trüsche.

Trägt Streifen, sieht gefährlich aus,
Ist jedoch harmlos wie die Maus.
Mag Blümlein, schwirrt und schwindet -
Es ist die Hummel, die sich windet.

„Komm, Hummel, leg dich nun zur Ruh,
Mach deine kleinen Äuglein zu.“
- Doch will die Hummel lieber stechen
Und schönen Blümlein Herzen brechen.

Gefährlich will die Hummel sein,
Rast immer weiter, ungemein.
Doch trifft sie auf die Herzensdame,
Wird sie sanft - wer konnt’ es ahnen?

Augenblick

Wo einst die weichen Augen auf mir lagen,
entzog sich hastig: ein halber Blick.

Wo einst der Raum sich füllte
mit der Wärme des Gelächters,
ruht nun die Stille des Augenblicks.

Einst glühten die Wangen wie heiße Kohlen -
nun sind sie kalt
im Schatten der Zeit.

Abendsehnsucht

Liegend sitz ich aus, diese bloße Leere,
Ein unsichtbares Band, eine große Ehre.
Doch nährt es nicht; ich wehre mich -
Die Sorgen, sie vermehren sich.

Der Mond hängt tief, die Sonne ruht,
Es strömt der Duft der Abendglut.
Die Sehnsucht nach Geborgenheit
Wächst wie Unkraut und gedeiht.

Chat Noir

Silencieux, observateur, attentif,
Comme un célèbre détective.
Se faufile dans la nuit,
S’enfuit d’ennui.
Insomnie.
Poésie.
Écrit.
Ici.

Papillon

36 degrés, l'air est chaud et étouffant.
J’attends en écoutant attentivement.
Mais rien. Pas de 145 bpm dans le couloir.
Seulement un grand Papillon noir.

Quelle étrange histoire…

Spieglein

Spieglein, Spieglein an der Wand,
Schön‘ Gerede geht leicht von der Hand.
Charmant und klug wie eh und je,
Doch manches ich nun nicht versteh‘.

Du spiegelst mich als wär ich blind,
Bis ich den Trick dahinter find‘.
Die Zeitverzögerung - kalkuliert,
Hat deine Maske dechiffriert.

Lasse mich recht ungern täuschen,
Zähle mich selbst zu den Keuschen.
Doch schlägt mein Herz wider Willen,
Muss ich die Sehnsucht nieder drillen.

Will die Gedanken exerzieren,
Darf meine Würde nicht verlieren.
Entferne mich nun in die Leere
Und behalte meine Ehre.

Ziehst du mich in dein Sog hinein,
Werd ich wohl wieder traurig sein.
Drum leg ich meine Hand an deine,
Und siehe da - ich bin alleine.

So leb ich weiter ohne Spiegel,
Mein Herze hinter großem Riegel.
Versteh’ nun endlich die Dynamik,
Umgeb’ mich lieber mit Keramik.

Nicht alles was glänzt aus Golde.
Such ewig weiter deine Holde.
Sei es Blei, Kupfer oder Zinn -
Ich bin froh, dass ich‘s nicht bin.